ARTE-Produktion in der PSM Leonberg

Am 1. November 2021 durften wir ein Filmteam der Berlin Producers in unserer Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Leonberg (CA Dr. med. Andreas Grandel) begrüßen. Regisseurin Antje Behr, Kameramann Dirk Heth und Tontechniker Raimund von Scheibner betraten mit umfassender Filmausrüstung unsere Abteilung. Auf Vermittlung einer unserer Patientinnen, war es zu dem gemeinsamen Plan gekommen, den Fernsehsender Arte bei der Produktion einer Serie von Dokumentarfilmen zu unterstützen. Die Filmreihe („Psycho: Ich…“) widmet sich der Entstigmatisierung psychischer Erkrankung und zielt darauf ab Therapeuten und Patienten unter einem gemeinsamen und menschlich verbindenden Blickwinkel darzustellen. Im Film, an dem wir mitwirkten, geht es um Depressionen („Psycho: Ich depressiv“).

Wir begannen den Drehtag mit der Aufzeichnung der sogenannten Kampf-Geist-Gruppe, einer innovativen Therapiegruppe, die Kampfkunst und Therapietechniken verbindet. Diese wurde 2012 in unserer Klinik entwickelt und ist inzwischen fester Bestandteil des Therapiekonzeptes. Auch eine wissenschaftliche Untersuchung konnte die besonders gute Wirksamkeit der Kampf-Geist-Gruppe bei der Behandlung von Depressionen zeigen.

Das wachsame Auge der Kamera auf uns gerichtet, fing das Filmteam die Geschehnisse der Kampf-Geist-Gruppe aus zahlreichen und teils außergewöhnlichen Blickwinkeln ein. Beispielsweise wurde durch akrobatischen Einsatz mit Leitern von oben oder aus einer Liegeposition am Boden aufgenommen. Unsere Patienten zeigten sich dabei präsent und unbeirrt in der Durchführung der angeleiteten kämpferischen Übungen. Beginnend mit einer Einstimmungsmeditation und dem Finden einer inneren therapeutischen Absicht für das gemeinsame Training, gingen wir über zu zweikampfbetonten Interaktionsübungen, gefolgt von Energie mobilisierendem Schlagpolstertraining. Den Abschluss bildete die übliche Nachbesprechung mit Möglichkeiten eines Abgleichs von Selbst- und Fremdwahrnehmung der Teilnehmer innerhalb des gemeinsamen Gruppenprozesses.

Im Speziellen hervorzuheben ist die beeindruckende Bereitschaft der freiwillig teilnehmenden Patientinnen, die sich trotz hoher Symptomlast mit großer Hingabe dieser besonderen und aktiven Auseinandersetzung mit der eigenen Erkrankung stellten.

Nach kurzer Mittagspause folgte ein emotional bewegendes und in seiner Authentizität außergewöhnliches Interview unserer Patientin. Es war beeindruckend mitzuerleben, welche kreative Schaffenskraft trotz schwergradiger depressiver Beeinträchtigung dabei mobilisiert und zum Ausdruck gebracht werden konnte. Im Anschluss daran stand noch ein Interview aus der Rolle des behandelnden Arztes auf dem Plan, in dem Fachwissen aber auch persönliche Eindrücke und Ausführungen vermittelt wurden. Bis in den späten Abend nutzte das Filmteam den intensiven Arbeitstag, um die Dreharbeiten in Leonberg abzuschließen.

Der Film wurde durch die Berlin Producers zwischenzeitlich fertiggestellt. Bis zur Ausstrahlung müssen wir uns allerdings noch etwas gedulden: Im September 2022 soll der Film in einer Reihe mit vier weiteren Filmen auf Arte gezeigt werden und dann auch in der Mediathek verfügbar sein. Wir dürfen gespannt sein!

 

Dr. med. Jonas Rupp

Oberarzt der PSM-Leonberg